Neonaziaktivitäten in der Region – Beispiel Februar 2012

Die Neonaziszene in der Region Traunstein /Berchtesgadner Land agierte auch im Februar 2012 mit zahlreichen Aktionen fast ungestört. Viele der örtlichen Neonazis sind in den neonazistische Netzwerk „Freies Netz Süd (FNS) organisierte und marschieren bei deren Aufmärschen mit (u.a. mit „Traunstein“ Fahne) mit. Neben der Beteiligung an Naziaufmärschen (z.B. 14.01 in Mühldorf, 21.01. in München, 25.02 in Landshut -welche übrigens alle drei erfolgreich blockiert wurden) versuchen sie auch anonym im loklen Bereich zu intevenieren. So verteilten sie beispielsweise Anfang Februar in mehreren Orten (u.a. Bad Reichenhall) unter Eselsmasken Flugblätter und Mitte Februar stellen sie in Freilassing illegal Holzkreuze mit Nazipropaganda auf. Auch im Verein „FreiRäume“ welcher versucht in Halsbach (Landkreis Altötting) ein Nazizentrum zu etablieren sind die Nazis aus der Region Bad Reichenhall / Traunstein / Freilassing im harten Kern aktiv. Die Chronik des a.i.d.a. Archiv verdeutlicht welche Art von Veranstaltungen in Halsbach durchgeführt werden:

11. Februar 2012

„Halsbach. Neonazikonzert im Saal des „Gasthaus Gruber“ von Alois Gruber jun. Dabei treten die Neonazibands „Die Lunikoff-Verschwörung“ (Nachfolgeprojekt von „Landser“-Sänger Michael Regener, Berlin), die „Angry Bootboys“ und „Die Feldherren“ (München) auf. Im Saal hängen die Transparente „Frontstadt München“ der „Kameradschaft München“ und „Für das Freie Wort“ der „KS München“ bzw. des „Freien Netz Süd“ (FNS).

Es erscheinen knapp 100 Neonazis, darunter Martin Wiese (Geisenhausen) und Aktivist_innen der Kameradschaft „Wehrtroopers Deutschland“ (Mühldorf) um Daniel Sturm, der „Kameradschaft München“ um Thomas Huber und der „Jagdstaffel Deutsch Stolz Treu“ aus dem Raum München/Wolfratshausen. Anwesend sind auch Anti-Antifa-Aktivist Lorenz M. (Miesbach) und NPD-Schiedsgerichtsfunktionär Frank Miksch (Fürth). 300 Polizeibeamt_innen sind vor Ort, schreiten jedoch nicht gegen das Rechtsrockkonzert ein.

Als „Veranstalter“ fungiert der angeblich existierende Verein „Frei Räume e.V.“ aus Halsbach, für den Norman Bordin verantwortlich zeichnet, zeitweise ist auch Wiese in der Szene Ansprechperson. Bordin und Co. veranstalten das Neonazikonzert im Rahmen einer angeblichen vereinsinternen „Mitgliederversammlung“. Nachdem Bordin damit scheiterte, den ursprünglich mit Sitz in München geplanten „Verein“ formal korrekt beim Amtsgericht München im Vereinsregister eintragen zu lassen, verlegte er den Vereinssitz unter die Anschrift des „Gasthaus Gruber“ und beantragte eine – noch nicht abgeschlossene – Eintragung der Gruppierung beim AG Traunstein. Die öffentliche Bezeichnung als „e. V.“ ist somit zu diesem Zeitpunkt irreführend. Entgegen mehrerer Medienberichte haben die Neonazis das Gasthaus jedoch nicht gekauft, es wird ihnen von Alois Gruber überlassen bzw. vermietet.

Ab Nachmittag demonstrieren auf dem Dorfplatz trotz Temperaturen um -15 Grad Celsius 600 Menschen gegen die erneuten neonazistischen Umtriebe im „Gasthaus Gruber“. Kurz vor 19 Uhr läuten die Kirchenglocken aus Protest gegen die Neonazis für gut zehn Minuten. Nach dem Konzert ziehen einige bekannte bayerische Neonazis in das „Gasthaus“ ein – offensichtlich ist ein neonazistisches „Wohnprojekt“ geplant.“

In diesem Jahr war dies aber nicht die erste Neonaziveranstaltung im Halsbacher „Gasthaus Gruber“. Zum Samstag  den 04.02. heißt es in der Chronologie von a.i.d.a.:

Halsbach (Verwaltungsgemeinde Kirchweidach, Lkr. Altötting). Neonazistisches Konzert und Veranstaltung im „Gasthaus Gruber“ mit etwa 35 Teilnehmenden, darunter Mitglieder der neonazistischen Kameradschaften „Wehrtroopers Deutschland“ („WD“) aus Mühldorf und „Jagdstaffel Deutsch Stolz Treu“ („Jagdstaffel D.S.T.“, München/Wolfratshausen). Zuerst treten unter anderem Norman Bordin (Ottobrunn) und Karl-Heinz Statzberger (Markt Schwaben) als Redner auf, dann spielt der bekannte neonazistische „Liedermacher“ Andreas „Edei“ Edelmann (Piding). Bordin stellt in seiner Ansprache unter anderem seinen angeblich eingetragenen „Verein“ „Frei Räume“ vor, als dessen Sitz derzeit das „Gasthaus Gruber angegeben wird. Man wolle zukünftig „Platz für nationale Wohn- und Gewerbeprojekte im ehemaligen Gasthof Gruber schaffen und zusätzlich als Anlaufpunkt patriotischer Menschen in Bayern und Österreich dienen“, heißt es in einem Veranstaltungsbericht, der eine knappe Woche nach der samstäglichen Veranstaltung auf der Homepage des neonazistischen „Freien Netz Süd“ (FNS) erscheint.

Und bereits am 28. Januar 2012 fand nach a.i.d.a. Informationen in Halsbach ein Nazievent statt:

 „Halsbach (Gemeinde Kirchweidach, Lkr. Altötting). „Vier-Jahresfeier“ der Kameradschaft (Eigenbezeichnung: „Artgemeinschaft“) „Urd und Skult“ (U&S) um den „Freies Netz Süd“- und NPD-Aktivisten Robin Siener. 30 Neonazis aus ganz Süddeutschland treffen sich ab 15.30 Uhr im ehemaligen „Gasthaus Gruber“ von Alois Gruber jun. Anwesend sind unter anderem Mitglieder der Münchner/oberbayerischen Kameradschaft „Jagdstaffel Deutsch Stolz Treu“ und der aus einem Online-Gaming-Clan hervorgegangenen Neonazikameradschaft „Wehrtroopers Bayern“/“Wehrtroopers Deutschland“ (Mühldorf). Die Mitglieder dieser Kameradschaft tragen ihr Gruppen-T-Shirt mit der „Schwarzen Sonne“ der SS und einem Sturmgewehr als Frontdruck. Im Rahmen der Feier treten mit „Klampferitis“ aus Thüringen und „Brauni und Klampfe“ aus Oberfranken neonazistische Bands und Liedermacher auf. Bei „Brauni und Klampfe“ handelt es sich um das Nachfolgeprojekt der Neonaziband „Soko 18“, sie sind auch mit einem Song auf einer Schulhof-CD der Berliner NPD vertreten. Polizeibeamt_innen aus Burghausen, Mühldorf und Traunstein schreiten beim Neonazikonzert nicht ein. In einem anschließend von „U&S“ veröffentlichten Bericht heißt es: „Die Staatsmacht ließ sich nur kurz am Vorabtreffpunkt sehen, wo sie mit mehreren Bussen die Einfahrten zu einer Tankstelle blockierten. Vor dem Gasthaus bekamen die Gäste keine Polizei zu Gesicht.“ Das Neonazitreffen wird am nächsten Morgen fortgesetzt. Halsbachs Bürgermeister Georg Pfaffinger nennt die Situation den Medien gegenüber „eine schier unerträgliche Belastung“, die „gelöst werden“ müsse.“