Rechtsterroristen mit einem Kontaktverbot in Bad Reichenhall

An dieser Stelle dokumentieren wir einen Beitrag aus der Chronik des aida-Archives:

8. Mai 2011

Der von niederbayerischen NPD-Funktionären abgelegte Kranz.  Foto: Robert AndreaschBad Reichenhall. Wie in den vergangenen Jahren gibt es auch in diesem Jahr wieder ein neonazistisches Gedenken an die SS-Division „Charlemagne“ in Bad Reichenhall:

Der NPD-Kreisverband Traunstein-Berchtesgadener Land unter Uwe Brunke (Bergen) hat im Vorfeld auf seiner Homepage eine „Gedenkveranstaltung am Kugelbach anläßlich des 66. Jahrestages, der am 8.Mai 1945 von den alliierten ‚Befreiern‘ ermordeten 12 französischen Waffen-SS Angehörigen der Division Charlemagne“ beworben.

Tatsächlich finden sich um 14.00 Uhr ungefähr 80 Alt- und Neonazis zur Aktion auf dem Parkplatz am Kugelbach ein. Unter ihnen sind führende Funktionär_innen der niederbayerischen NPD und von Münchner Neonazi-Gruppierungen, unter anderem die als Rechtsterroristen verurteilten und bis zum Jahr 2015 mit einem Kontaktverbot belegten Martin Wiese (Geisenhausen) und Karl-Heinz Statzberger (Unterschleißheim).

Kränze, u. a. von der SS-verherrlichenden österreichischen 'Kameradschaft IV'.  Foto: Robert AndreaschAuf dem Parkplatz am Kugelbach haben die Neonazis neben einem Pavillon-Zelt ein „Denkmal“ aufgebaut, bestehend aus einer „Todesrune“ aus Birkenstämmen und einem Wehrmachts-Stahlhelm. Zwei Frauen im Dirndl posieren mit der französischen Tricolore und einer schwarz-weiß-roten „Reichsfahne“ hinter dem mit einem Tarnnetz dekorierten Redepult. Ansprachen halten u. a. das NPD-Bundesvorstandsmitglied Eckart Bräuniger (Berlin) und Edda Schmidt, Bundesvorsitzende der NPD-Frauenorganisation „Ring Nationaler Frauen“ (RNF, Bisingen).

Nach dem Gedenken bringen Neonazis die zuerst am Kugelbach abgelegten Kränze zum Denkmal für die SS-Division Charlemagne auf den Friedhof von St. Zeno in Bad Reichenhall, wo sie in den nächsten Wochen liegenbleiben. Einer der Kränze trägt eine Kranzschlaufe der Kärntner „Kameradschaft IV“. Dabei handelt es sich um den österreichischen Traditionsverband der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS.

Es gibt erneut keinerlei Proteste gegen die seit Jahrzehnten stattfindende Naziveranstaltung. Ein Großaufgebot der Polizei sichert das „Gedenken“ und versucht auch, eine Beobachtung des neonazistischen Treffens zu verhindern. In einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Oberbayern heißt es nach der Veranstaltung: „[Der] Versammlungsverlauf gab keinen Anlass zur rechtlichen Beanstandung“.

 

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